15.03.2024

Warum sind Mutterkühe und Kälber nicht immer auf der Weide?

Vielleicht gibt es in Ihrer Nachbarschaft eine Weide, auf der Mutterkühe und Kälber grasen. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die Tiere nicht immer auf der Weide sind? Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum das so ist?

Kälber, die bei ihrer Mutter aufwachsen dürfen, haben auch dann genug Nahrung, wenn die Weide schneebedeckt ist: Sie können Muttermilch trinken. Die Mutterkühe sind auf Zufütterung im Stall angewiesen. (Foto: Ruth Wüthrich)

Situation 1: Es regnet seit Tagen.

Nach langanhaltenden Niederschlägen sind die Böden so nass und durchweicht, dass Mutterkühe und Kälber mit ihren Tritten die Grasnarbe schädigen, wenn sie auf die Weide gelassen werden. Die Grasnarbe, das ist die oberste Bodenschicht mit Wurzeln, Gräsern und Kräutern. Damit anstatt Weide nicht nur Morast bleibt, werden die Tiere in den Laufhof gelassen, bis der Weideboden genügend abgetrocknet ist.

Situation 2: Die Sonne scheint, die Temperaturen sind sommerlich heiss.

Die Wohlfühltemperatur von Kühen liegt zwischen 5 und 15 Grad. Wenn die Sonne scheint, ziehen sich Mutterkühe und Kälber gerne in den Schatten zurück. Wenn die Temperaturen sehr hoch sind, ist es sinnvoll, die Tiere im Stall zu lassen und erst nachts auf die Weide zu lassen.

Die kühle Nachtluft entspricht den Bedürfnissen der Kühe. Zudem werden sie in der Nacht deutlich weniger von Fliegen und anderen Insekten geplagt als an heissen Sommertagen. (Bild: Walter Fässler )

Situation 3: Es ist Winter, der Boden ist gefroren.

Im Winter wächst kein Gras. Die Temperaturen sind zu tief, der Boden ist gefroren oder schneebedeckt. Wenn man Kühe und Kälber auf die Weide lässt, machen sie nichts kaputt. Oft freuen sie sich und springen im Schnee herum. Doch sie finden kein Futter auf der Weide. Deshalb bleiben die Kühe und Kälber im Stall, wo sie gefüttert werden. In den Laufhof können sie natürlich trotzdem.

Situation 4: Es hat schon lange nicht mehr geregnet

Damit auf der Weide etwas wächst, braucht es die richtigen Temperaturen und Wasser. Wenn es lange nicht regnet, trocknet der Boden aus. Es wächst kein Gras mehr nach. Zwar kann man die Mutterkühe und Kälber trotzdem auf die Weide lassen, doch sie finden kein Futter mehr. Gezwungenermassen müssen die Tiere im Stall zusätzlich mit Heu gefüttert werden, das eigentlich für den Winter bestimmt ist.

Situation 5: Auf der Weidefläche wird gemäht

In der Regel gibt es auf einem Bauernhof nicht nur eine Weide. Mutterkühe und Kälber werden immer eine gewisse Zeit auf eine Weide gelassen und, wenn alles Gras abgefressen ist, auf eine andere. So kann das Futter jeweils wieder nachwachsen. Ausserdem muss für den Winter auch Heu und Silage gemacht werden. Hierzu wird das Gras gemäht und getrocknet. Für Heu muss das Gras an der Sonne drei bis fünf Tage trocknen, bevor es zu Heuballen gepresst oder in den Heustock eingelagert werden kann. Für Silage wird das Gras nur angewelkt, das heisst, ein wenig getrocknet. Dann wird es zu Ballen gepresst oder in einem Silo luftdicht eingelagert, damit ein Gärprozess stattfinden kann. Heu und Silage sind haltbar gemachtes Gras.

Bestimmt können Sie das nächste Mal Ihre Weidebeobachtungen einordnen – und sonst suchen Sie den Austausch mit dem Bauern oder der Bäuerin und fragen Sie nach!